Dauerausstellung im Bismarck - Museum Schönhausen

Die Familie von Bismarck und ihre Besitzungen in Schönhausen (Elbe)


Blick in den Eingangsbereich der Dauerausstellung
Im Eingangsbereich und im Treppenaufgang finden sich kurze Darstellungen zur Geschichte der Bismarckschen Herrenhäuser von Gut Schönhausen I und Gut Schönhausen II, Zeichnungen von Christian Wilhelm Allers, der 1893 über Bismarcks Geburtsort einen ganzen Zyklus anfertigte, sowie Innen- und Außenaufnahmen des "Schlosses" Schönhausen-I aus der Zeit um 1940, aber auch Fotografien kurz vor und nach der Zerstörung im Jahre 1958. Eine Büste Bismarcks stammt von Giovanni Grasso (1876). Das nach einer Lenbach-Zeichnung entstandene Porträt seines Urgroßvaters stellte Ferdinand Fürst von Bismarck als Leihgabe zur Verfügung.
Die ständige Ausstellung erstreckt sich über drei Räume. Der erste Raum umfaßt die Zeit von 1815 bis 1870/71, der zweite zeigt schwerpunktmäßig Bismarcks Politik bis zur Entlassung 1890, der dritte dokumentiert die Gründung des alten Museums, präsentiert Beispiele der Bismarck-Verehrung und verweist auf die Kultformen um dessen Person.

 

Raum 1

"Urpreuße und Reichsgründer"

Zum Abgeordneten des Merseburger Provinziallandtages gewählt, fügte Bismarck schon 1846 seinem Namen den von Schönhausen bei. 1848 wollte der Landjunker Bismarck gegen die Revolution gewaltsam vorgehen. Doch im Laufe der Jahre erkannte der "weiße Revolutionär", daß die deutsche Nationalbewegung als geschichtliche Macht nicht mehr aufzuhalten war.

Als Ministerpräsident kam es ihm außenpolitisch darauf an, die Vorherrschaft Preußens im Deutschen Bund durchzusetzen und Österreichs Einfluß auf die deutschen Staaten auszuschalten. 

Schließlich siegte Preußen 1866 im Krieg gegen Österreich. Am 19. Juli 1870 erklärte Frankreichs Kaiser Nepoleon III., von Bismarck durch die Emser Depesche provoziert, dem Norddeutschen Bund den Krieg. Der deutsche Sieg bei Sedan am 2. September 1870 besiegelte die französische Niederlage. Dem mit der Kaiserproklamation am 18. Januar 1871 entstandenen deutschen Nationalstaat gehörten 25 Einzelstaaten sowie das "Reichsland" Elsaß- Lothringen an.
Ausgestellt sind u.a. Bierfaßböden mit der Darstellung Bismarcks als "Reichsfaßbinder", eine Germania als Personifikation des Deutschen Reichs sowie eine Uniform Bismarcks des Magdeburger Kürrassierregimentes Nr. 7.


Bierfassböden, Bismarck als Reichsfaßbinder


Niederwalddenkmal, Miniaturnachbildung in Bronze.
Das Original, entworfen von Johannes Schilling, wurde 1883 in 300 m Höhe über dem Rhein enthüllt.
 

Raum 2

"Das Reich in der Mitte Europas und seine politische Leitfigur"

Nach 1871 vertrat Bismarck den außenpolitischen Grundsatz, der von ihm geschaffene deutsche Nationalstaat sei "saturiert". Er wollte Deutschland davor bewahren, in kriegerische Konflikte verwickelt zu werden. Im Unterschied zu diesem außenpolitischen Kurs der Mäßigung scheiterte innenpolitisch der 1871 beginnende "Kulturkampf" gegen Zentrumspartei und Katholische Kirche ebenso wie Bismarcks Versuch, die deutsche Sozialdemokratie ab 1878 mittels Ausnahmegesetz politisch zu unterdrücken.
Die ausgestellte Adresse des Verbandes der deutschen Berufsgenossenschaften weist auf eine andere Komponente der Innenpolitik Bismarcks, die Sozialpolitik hin.
Eine Reliefplatte zeigt Bismarck 1888 am Totenbett Wilhelms I. Die "Männerfreundschaft" zwischen dem ersten deutschen Kaiser und dem ersten deutschen Reichskanzler dokumentiert eine Miniatur der Siegessäule in Berlin, ein Geschenk Wilhelms an Bismarck. Innenpolitische Mißerfolge, gesundheitlicher Verschleiß und gegensätzliche Auffassungen zu Kaiser Wilhelm II. in der Sozial- und Außenpolitik boten dem "jungen und dynamischen" Monarchen einen willkommenen Anlaß, den "Eisernen Kanzler" am 20. März 1890 zu entlassen.

Zahlreiche Exponate beziehen sich auf den Privatmann Bismarck, so auf seine Familie, seine Freude am Grundbesitz und am Landleben. Zu sehen sind in diesem Raum z. B. ein Ölgemälde des Reichsgründers mit seiner Dogge Tyras II, ein Hundehalsband von 1881 und Bismarcks schlichte Feldmütze.


Siegessäule, Miniatur, Geschenk von Wilhelm I.

Raum 3

Spielarten des Bismarck-Mythos

Die allgemeine Bismarckverehrung seiner Zeitgenossen und der Nachwelt fand ihren Ausdruck in mannigfachen Formen. Über 450 Städte verliehen ihm die Ehrenbürgerschaft, Bismarckvereine wurden gegründet und zahlreiche Bismarck-Denkmäler in Auftrag gegeben. Im Porträt wie auch in der Karikatur fand die Popularität des Reichsgründers ihren Niederschlag.
In der Architektur prägten sich neue Elemente zu Ehren des ersten deutschen Reichskanzlers heraus.
234 Bismarck-Säulen bzw. Bismarck-Türme kamen zur Ausführung. Straßen und Plätze, Schulen, Steine, Eichen, ja ganze Landstriche und Inseln wurden nach ihm benannt.

Die große Bedeutung des Werkes und der Persönlichkeit Bismarcks schlägt sich auch im Medaillenschaffen nieder.  Über 650 Medaillen, Plaketten, Klippen und Marken auf Bismarck sind bekannt.

U. a. findet sich hier ein Ölgemälde von Wilhelm Geissler, das die Einweihung des "Bismarck- Nationaldenkmals" 1901 in Berlin darstellt und die Miniatur eines Reiterstandbildes von Bismarck, eines Teils des Leipziger Siegesdenkmals von 1888.


Enthüllung des Bismarck-Denkmals 1901
Ölgemälde von Wilhelm Geissler

 
Postkarte Die Instrumentalisierung des Bismarck-Mythos für deutsches Weltherrschaftsstreben beweist eine Auswahl von Postkarten aus dem 1. Weltkrieg.

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