Geschichte des Hauses
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Das Bismarck - Museum
Bereits zu seiner Amtszeit als Reichskanzler profitierte Bismarck als "Schmied des Reiches" von seinem eigenen Mythos. Nach seiner Entlassung war der "Kanzler im Unruhestand", der "Alte aus dem Sachsenwalde", eine Kultfigur und Gegenstand persönlicher und gesellschaftlicher Huldigung. Ohne Zweifel galt der "Eiserne Kanzler" der übergroßen Bevölkerungsmehrheit als die herausragende Symbolfigur des Deutschen Reiches schlechthin. Anläßlich seiner Geburtstage häuften sich auf den Gabentischen die Geschenke, aber auch unabhängig von Jubiläen riß der Strom der Präsente nicht ab. Für die zahlreichen nicht verzehrbaren Aufmerksamkeiten, mußte ein Aufbewahrungsort geschaffen werden. Diesen Zweck erfüllte das am 29. September 1891 in Schönhausen offiziell eröffnete Bismarck-Museum. Es befand sich im Herrenhaus von Gut Schönhausen II. In neun Räumen (Fürstensaal, Diplomatensaal, Urkundensaal, Historisches Eckzimmer, Kuriositätensaal, Glassaal, Büstensaal, Akademischer Saal, Silbersaal) wurden persönliche Gegenstände des Kanzlers, wie Möbel, Gemälde und Waffen und zahlreiche Geschenke auf langen Gabentischen und in Vitrinen ausgestellt. Im Museum zu sehen waren
Präsente Kaiser Wilhelms I. ebenso wie die in- und ausländischer
Fürstenhäuser, aus Industrie und Landwirtschaft, von Städten,
Künstlern, Gelehrten, Forschungsreisenden, Militärs, Vereinen, Behörden
und Universitäten. Darunter befanden sich kostbare, kunstvoll gestaltete
Handwerksarbeiten, oft mit Silber- bzw. Goldeinlagen, manchmal auch
vollständig aus Edelmetall hergestellt. Trotzdem dominierten im Museum die patriotischen "Kitsch- Produkte". Bismarck erhielt auch viele
Geschenke von Forschungsreisenden und aus den deutschen Kolonien. Die
meisten stammten von Eugen Wolf, der dem Museum von seinen zahlreichen
Reisen durch Afrika, Asien sowie Nord-, Süd- und Lateinamerika vor allem
Trophäen, Waffen, Trommeln, Hausrat und Bekleidungsgegenstände
übereignete. Im Januar 1892 und Ende März 1894 stellte er seine
Präsente in Schönhausen selbst auf. Trotz der sehr unterschiedlichen
Herkunft bürgerte sich für diesen "exotischen" Bestand des
Museums die Bezeichnung "Afrikanische Sammlung" ein. Verschiedene Exponate des Bismarck-Museums wurden auf internationalen Ausstellungen präsentiert. Vier Schaustücke waren sogar auf der Weltausstellung 1893 in Chicago zu sehen.
Eine
Reihe der ursprünglich in Schönhausen ausgestellten Exponate kam 1927 in
das neugegründete Bismarck-Museum in Friedrichsruh. Bis 1946 blieb die
Gestaltung des Museums in Schönhausen weitgehend unverändert. Nach
Kriegsende wurde das Museum für die Öffentlichkeit gesperrt, da es als
"typisch militaristisch" galt und um der "Reaktion keine
Kultstätte zu geben". Am
9. Februar 1948 erging dann von der Regierung des Landes Sachsen-Anhalt
die Anordnung zur Auflösung. Die Umlagerung der Ausstellungsstücke in
Magazine der Stadt Stendal war am 27. März 1948 abgeschlossen. Der
örtlichen russischen Kommandantur wurde ein Verzeichnis der Exponate
übergeben. Wichtige
schriftliche Unterlagen übernahm das Magdeburger Landesarchiv. Einige
Schaustücke kamen in das Altmärkische Museum in Stendal und in das
Feudalmuseum Schloß Wernigerode, ein großer Teil der Sammlung wurde in
den 50er Jahren an andere Museen weitergegeben. Das
Bismarck - Museum Schönhausen Das Land Sachsen-Anhalt stellte im Bismarck-Jahr 1998 für die Sanierung des von der Sprengung im Jahre 1958 nicht betroffenen Seitenflügels des Herrenhauses von Gut Schönhausen I und das sogenannte Gärtnerhaus sowie für die Errichtung eines neuen Bismarck - Museums 2, 5 Millionen DM zur Verfügung. Im
"Gärtnerhaus", der Begegnungsstätte des Museums, ist die
Museumsverwaltung mit der Touristeninformation untergebracht. Eine
Möbelinszenierung macht etwas von der Atmosphäre nach der Gründung des
ersten deutschen Nationalstaates wieder lebendig. Die Tagungsstätte im repräsentativen Dachgeschoß ermöglicht Vorträge, Konferenzen und Sonderausstellungen. Im Seitenflügel des Herrenhauses, dem "Zofenflügel" oder Torhaus, befindet sich die Dauerausstellung des Bismarck–Museums Schönhausen, dessen Konzeption von Mitarbeitern der Stiftung Schlösser, Burgen und Gärten des Landes Sachsen - Anhalt im Auftrag des Kultusministeriums des Landes Sachsen-Anhalt entwickelt wurde.
Mit einem Entree und drei Ausstellungsräumen fällt sie um vieles bescheidener aus als der Vorläufer. Auf etwa 100 m² Fläche werden unter Verwendung zahlreicher Exponate des früheren Museums etwa 160 originale Objekte aus dem Nachlaß des "Urpreußen und Reichsgünders" gezeigt. Die sorgfältig ausgewählten Stücke verdeutlichen die altmärkische Herkunft Bismarcks, sein Werden, Wirken und Nachwirken als Mensch, Politiker und Mythos. Die sichtbar gemachten Grundmauern neben dem Torhaus verweisen auf die Ausmaße des Geburtshauses des berühmtesten Sprosses der Adelsfamilie von Bismarck. Sie erinnern an die historische Geschlossenheit des Ensembles aus "altem Schloß", Wirtschaftshof und Park.Gleichzeitig warnt das fehlende Herrenhaus vor einem allzu leichtfertigen Umgang mit der Geschichte und ihren materiellen Hinterlassenschaften. Vier Kanonen auf der Schloßterasse, die Bismarck 1872 von Kaiser Wilhelm I. geschenkt bekam, und der rekultivierte Barockpark lassen den Geist dieser historischen Stätte wieder erahnen. |